Subskription 2011
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Donnerstag, 19.04.2009 - Twitter revolutioniert die Primeurs
Das von manchen etwas voreilig bereits für tot erklärte Primeur-System in Bordeaux erlebt derzeit eine Rennaissance und erweist sich als erstaunlich robust. Zum ersten Mal seit drei Jahren könnte es passieren, dass innerhalb der Kampagne die Preise wieder steigen und dann bei der Arrivage im Jahr 2011 wenigstens teilweise über den Releasepreisen der ersten und zweiten Tranche liegen würden, was 2006 und 2007 nicht der Fall war. Nur dann macht aber ein Kauf en primeur Sinn.

Ich sehe im wesentlichen zwei Gründe für dieses Phänomen. Zum einen ist es die überraschende Taktik der Premiers, sehr früh mit hohen zweistelligen Abschlägen herauszukommen. Damit haben sie die Kampagne praktisch auf den Kopf gestellt und ihre Weine für Handel und Konsumenten wieder attraktiv gemacht. Dies führte zu einer rasanten Preis-Ralleye. Der andere Grund hat etwas mit dem Mikrobloggingdient Twitter zu tun, in dem sich in den vergangenen zwölf Monaten eine viele Hundert Menschen umfassende hochkarätige Wein-Community gebildet hat. Weinfreunde, Händler, Journalisten, Sommeliers, Winzer, Marketingprofis, Werber kommunizieren hier weltweit rund um die Uhr über Wein und natürlich auch über Bordeaux.

Diese Plattform hat der diesjährigen Primeur-Kampagne eine zusätzlich und in dieser Form völlig eigene und neue Dynamik verliehen. Twitter ist dabei die Primeurs zu revolutionieren. Als ich vor einige Monaten meinen Account primeur08 für den Zweck einer schnelleren Berichterstattung in Form eines Live News Streams für dieses Weblog eingerichtet habe, war ich noch allein auf weiter Flur. Inzwischen sind es mindestens sieben Accounts, die Tag für Tag oft im Minutentakt dafür sorgen, dass z.B. die Preisnews in Echtzeit im Netz erscheinen. Es sind Wein-Journalisten wie Jane Anson (newbordeaux) oder Peter Moser (Falstaffmoser), Magazine wie der Decanter (decantercom), aber auch Händler wie C & D in Köln (insiderblogg), Berry Brothers in London (BBRBoysInBDX) oder der Amsterdamer Importeur, Weinblogger und -fototgaf David Bolomey (bordoverview).

Diese Bordeaux-Accounts werden zwar alle nur von einer kleinen Follower Gemeinde gelesen. Sie bringen es zusammengenommen nicht mal auf 800 follower, aber das ist nicht entscheidend. Was zählt sind die second order flollowers. Ein Beispiel wie das funkioniert: wenn ich über primeur08, dem News Stream von Planet Bordeaux etwas berichte, erreicht dies via Twitter zunächst nur 87 follower. Aber dabei handelt es sich meist wieder um hochkarätige Multiplikatoren. Einer davon ist mein Haupt-Account weinreporter. Wenn nun der Weinreporter eine Meldung retweetet, lesen das schon 933 follower und die Zahl der second order follower, die damit potentiell erreicht werden kann, liegt laut twinfluence derzeit bei 1,829 Mio. Analysiert man mit Twitter-Search die dort auffindbaren Primeur News, sieht man, dass in den vergangenen beiden Wochen genau dies passiert ist.

Die Meldungen einer Handvoll Special Interest Twitterer hat sich jeweils binnen weniger Stunden durch die Vernetzung von immer mehr Accounts schneeballartig um den ganze Globus verbreitet schneller noch als über Blogs und andere Online Seiten wie z.B. Foren, von den Printmedien ganz zu schweigen. So schnell wie in diesem Jahr erreichten die kaufentscheidenden Fakten noch nie zuvor die potentiellen Kunden. Händler haben mir dies in Gesprächen bestätigt. Die Reaktionszeit zwischen Veröffentlichung des Preises und dem ersten Telefonanruf eines interessierten Käufers sei noch nie so kurz gewesen. Château Latour war in der ersten Tranche bereits ausverkauft, noch eher einige Händler ihre Listen fertig geschweige den verschickt hatten. Fazit von David Bolomey: „It's unbelievable indeed the new dimension Twitter has added to the primeurs campaign!“
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