Subskription 2011
Letzte Einträge - Bordeaux Subskription 2011
Donnerstag, 05.05.2009 - Tollhaus Bordeaux
Nach dem “Crazy Tuesday” der vergangenen Woche macht sich am Platz Bordeaux offenbar wieder eine gewisse Hype-Stimmung breit. Einer der prominentesten britischen Weinhändler sieht sich herausgefordert ganz offen Stellung gegen Robert Parker zu beziehen und fordert in einem Blogbeitrag von ihm mehr Verantwortlichkeit ein („With great power comes great responsibility“). Gleichzeitig warnen viele Händler davor die bislang moderate Preispolitik der ersten drei Wochen dieser ungwöhnlich kurzen und heftigen Kampagne zu durchbrechen. Andererseits gibt es Berichte, dass mehr und mehr britische Privatkunden angesichts der limitierten Angebote ihrer Händler begonnen haben sich in Bordeaux einzudecken.

Während einige prominente Châteaux vom rechten Ufer diese Warnungten des Handels in den Wind schlagen und voll und ganz auf den Parker-Effekt setzen, glänzt ausgerechnet Château Yquem mit grösster Bescheidenheit dem bislang höchsten Preisabschlag der Kampagne. Das erste Angebot kam heute mit minus 59 Prozent raus und übertraf damit nochmals sehr deutlich die bisherigen Rekord-Abschläge der Kampagne: Mouton 50 %, Latour, Lafite und Margaux 45%, Angelus und Haut Brion 41%, Vieux Château Certan 36 % . Yquem-Direktor Pierre Lurton setzt damit ein starkes Signal gegen die aufkeimende Parker-Hype und bestätigt die Einschätzung, dass 2008 auf gar keinen Fall zu den bedeutenden Sauternes Jahrgängen zählt.

Auf dem rechten Ufer dagegen strotzen angesichts bestere Parker-Noten einige nur so vor Optimismus. So kamen Le Gay (95 – 98 PP) und Clinet (94-97 PP) ohne Abschlag auf dem Preisniveau des Vorjahres heraus. Gerüchteweise war gestern abend in Saint-Emilion sogar zu hören, dass einige dort höhere Preise als 2007 verlangen möchten. Man wolle die eigene Haut nicht so billig zu Markte tragen wie die Premiers auf dem linken Ufer, hiess es, und stattdessen die dort inzwischen eingetretenen Preissteigerungen gleich einkalkulieren.

Bisher liegt die Preisdifferenz beim Jahrgang 2008 bereits bei einem sagenhaften Wert von 66 Punkten. Sie reicht von – 59 % (Yquem) bis + 7 % (Fourcas-Hosten). Eine solche Spreizung bei den Release-Preisen hat es in der für mich überschaubaren Geschichte der Primeur-Kampagnen noch nicht gegeben. Sollten die Top-Betriebe vom rechten Ufer da tatsächlich nochmals an der Preisschraube nach oben drehen, gliche Bordeaux endgültig einem Tollhaus.
Zurück
© C&D Weinhandelsgesellschaft mbH