Subskription 2011
Letzte Einträge - Bordeaux Subskription 2011
Donnerstag, 24.08.2004 - Primeurkampagne 2003: lang, spannend, erfolgreich
Die Primeurkampagne für den Jahrgang 2003 ist weitgehend abgeschlossen und sie war nicht nur von grosser Spannung getragen, sondern offenbar auch recht erfolgreich. Entsprechend positiv sind jedenfalls die Reaktionen einiger Primeurspezialisten des deutschen Handels, die planet bordeaux befragt hat.

Heiner Lobenberg (Gute Weine, Bremen):
?Die Primeurkampagne für den Jahrgang 2003 lief gut, deutlich besser als für den Jahrgang 2002. Wir hatten eine Steigerung von über 100 Prozent zu verzeichnen. Die Weine im Preisbereich bis 40 ? wurden sehr gut angenommen, allerdings mit einer extremen Konzentration auf das Médoc und die in der Presse hoch gelobten Weine. Die Polarisierung insgesamt nimmt von Jahr zu Jahr mehr zu. Die 1er Cru und ähnliche Preisbereiche wurden wegen der deutlichen Preissteigerung nur verhalten angenommen. Dieser Preisbereich ist in Deutschland zur Zeit kaum absetzbar. Sehr gute Erfolge für die Süssweine aus Sauternes und Barsac.?

Bergitta N. Reiss (Gérante, Château Classic Le Monde des Grands Bordeaux, Saint Christoly Médoc):
?Die Primeurkampagne 2003 kam spät in Gang, mit Eröffnungspreisen um den 9.Juni für die den Markt bestimmenden ersten Gewächse. Die Nachfrage konzentrierte sich wie erwartet auf die "valeurs surs" des Médoc, allen voran die parkerisierten, d.h. hochbepunkteten Weinen wie Montrose, Léoville Barton, Léoville Poyferré und natürlich allen ersten Gewächsen. Ebenfalls gut nachgefragt waren alle Crus bourgeois Weine aus dem nördlichen Médoc wie Tour de Pez, Tour Haut Caussan, Rollan de By um nur einige zu nennen. Ingesamt war es eine überdurchschnittlich erfolgreiche 2003er Kampagne?

Markus Geigle (ALPINA B. Bovensiepen, Buchloe)
"Trotz der zum Teil enorm gestiegenen Preise läuft die Kampagne für ALPINA sehr erfolgreich, was in diesen schwierigen Zeiten ein echter Lichtblick ist. Hilfreich war unsere Entscheidung, bei sehr hoch bewerteten, sowie besonders gesuchten Weinen mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis von der Abnahme ganzer 12er Kisten abzugehen und stattdessen erstmals attraktive Subskriptions-Sortimente anzubieten. Das bedeutet für uns intern mehr Handlingaufwand, bietet unseren Kunden aber die Möglichkeit, für relativ wenig Geld einen selektiven Querschnitt durch diesen zwar heterogenen, in vielen Fällen aber sehr guten bis hervorragenden Jahrgang zu bekommen."

Michael Grimm (Bacchus Vinothek, Rottweil):
?Abschliessend lässt sich festhalten, dass die 2003er Primeurkampagne sicher die interessanteste der letzten 10 Jahre war. Dies bezog sich sowohl auf die Weine (Licht und auch Schatten), die Preise (überteuert und auch äusserst
preiswert) und die Kundenresonanz (begeistert/quer Beet bis eher verhalten/selektiv). In der Regel setzen wir in der Primeurkampagne ca. 2/3 unserer Einkäufe ab, um die restlichen Flaschen in die späteren Angebotsliste aufzunehmen. In diesem Jahr verbleiben uns maximal 20 Prozent und ich sehe die Kampagne als immer noch nicht abgeschlossen an.


Die 2003er Primeurkampagne begann eigentlich schon im November 2003, also zu einem Zeitpunkt, an dem sich viele Weine noch mitten in der Gärung befanden.
In der ?sicheren? Erwartung des ?Jahrhundertjahrgangs? hatten wir schon im November des Jahres 2003!!! Vorbestellungen für Weine desselben Jahrgangs.
Dies war noch nicht einmal beim Jahrgang 2000 der Fall.

Noch bei keinem Jahrgang hatte ich diese enormen Vorschusslorbeeren erlebt.
Es ist schon erstaunlich, dass wir Nordeuropäer grosse Sommerhitze immer noch mit grosser Weinqualität gleichsetzen. Oechsle gut (hoch) ? alles gut!! Aber schon Paracelsus wusste, dass ein Zuviel des Guten auch schädlich sein kann.

Vielleicht war der 2000er Jahrgang in der Summe homogener, der 2001er und der 2002er klassischer. Die besten 2003er überragen die früheren Jahrgänge aber tatsächlich, einschliesslich des 2000ers. Jedoch gab es auch Enttäuschungen. Und die gab es leider auch bei den Importeuren, Händlern und den Kunden.

Die 2003er Primeurkampagne war auf der einen Seite von grosser Hektik gekennzeichnet. Viele Kunden waren auf dieselben Weine (Latour, Lafite, Montrose, Leoville-Barton, Calon-Segur oder Sociando-Mallet) fixiert. Diesen Weinen galten in erster Linie die Anrufe, Faxe oder mails vor allem der vielen Neukunden, welche wir dieses Jahr registrieren konnten.

Um möglichst viele Kunden zufrieden stellen zu können, musste die zur Verfügung stehende Flaschenanzahl natürlich möglichst gross sein. Viele Kollegen, welche nicht an den 2002er Jahrgang geglaubt hatten und deshalb im letzten Jahr sehr vorsichtig oder sehr wenig orderten, sahen sich dieses Jahr, entsprechend der ?Bordeauxgesetze?, mit teilweise sehr wenig Flaschen/Kisten der gesuchten Weine ausgestattet (Enttäuschung auf Händler- und Importeurseite).

Entsprechend verlockend war es, die wenigen zur Verfügung stehenden Kisten den Kunden zu einem hohen Preis anzubieten. Das Argument der teureren 2.
Tranche war wenig stichhaltig, da es bei den meisten Châteaux (Montrose, Lafite, Latour, etc.) keine 2. Tranche gab. Dies verärgerte sehr viele treue Primeurkunden (Enttäuschung auf Kundenseite). Wie aber sollten die Weine möglichst gerecht verteilt werden?

Auch bei den gesuchtesten Weinen haben wir die klassische Primeurkalkulation (14-16% Aufschlag zzgl. aller Nebenkosten und der MwSt.) eingehalten.
Primeurkauf ist Vertrauenssache und unterliegt bestimmten Regeln. Nur wenn sich alle Glieder der Primeurhandelskette an die ?Abmachungen? halten, macht der Kauf en primeur für den Kunden Sinn und nur dann funktioniert er auch.

Natürlich mussten auch wir, trotz sehr grosser Allokationen, einen Schlüssel für die Verteilung finden. Wir steuerten dies nicht über den Preis, sondern bedachten in erster Linie die Kunden, welche das betreffende Château auch im Jahr zuvor gekauft hatten. Somit war sichergestellt, dass die treuen Primeurkunden und nicht die Spekulanten zum Zuge kamen, welche seit der Primeurkampagne 2000 zum ersten mal wieder auftauchten. Dies schien mir die einzige korrekte Form der Verteilung zu sein. Und ich glaube, wir lagen hier richtig. Aufgrund des in diesem Jahr sehr grossen Einkaufsvolumen erhielten wir von verschiedenen Negociants zusätzliche Kisten der gefragtesten Weine.

Auf der anderen Seite war/ist die Kampagne unglaublich langatmig.
Bereits die Freigabe der Preise ab Bordeaux zog sich über einen Zeitraum von beinahe 8 Wochen hin. Üblicherweise sind alle Preise innerhalb von längstens
3 Wochen bekannt.

Dies hat sich auch auf das Kaufverhalten der Kunden ausgewirkt. Nur wenige warteten ab, bis alle Preise bekannt waren, um eine Gesamtbestellung abzugeben. Die meisten Kunden bestellten auf mehrere Male. Viele Kunden orderten erst verhalten oder nur die gesuchtesten Weine, um dann mehr und mehr zu bestellen. Und noch heute, beinahe 4 Monate nach dem Verkauf der 1.
Flasche 2003er Bordeaux, erhalten wir noch täglich Bestellungen. Insgesamt lag das Auftragsvolumen so nur leicht hinter dem des Jahrgangs 2000.

Vieles wurde über die ?überhöhten? Preise gesagt und geschrieben ? leider nur wenig vernünftiges. Natürlich hat eine Handvoll Châteaux extrem hohe Bewertungen dazu benutzt, auf den Preis vom letzten Jahr deutlich und teilweise auch überzogen aufzuschlagen. Die absolute Mehrzahl der Chateaux blieben jedoch vernünftig und mit ihrem Aufschlag teilweise sogar ganz deutlich unter dem prozentualen Minderertrag, welches es doch eigentlich auszugleichen galt. Dass die Preise nicht auf dem Niveau von 2002 bleiben konnten, war eigentlich doch jedem klar. Und wenn ein Château zum 2. Mal Ertragseinbussen von 20 bis 35% hinnehmen muss und sich aufgrund der Qualität eine grosse Nachfrage abzeichnet, ist ein mässiger Aufschlag doch mehr als legitim.

Aber sogar bei Châteaux wie Pavie, Lafite, Pontet-Canet oder Cos D?Estournel (am Ende brauchten wir über 120 Kisten), wo ich davon ausgegangen bin, eine grössere Flaschenanzahl über Jahre hinweg in der Angebotsliste führen zu können, sind wir heute ausverkauft. Dabei ist zu bemerken, dass es zu Verschiebungen/Wanderungen im Kaufverhalten der Kunden kam. Beispielsweise kauften viele treue Cos-Kunden zähneknirschend nur 2, 3 oder 6 Flaschen anstelle der sonst üblichen Kiste(n). Auf der anderen Seite gab es jedoch viele Kunden, welche ansonsten eher nur 1er Crus kaufen, die sich von der Qualität der Weine in der laut Klassifizierung ?nur? 2. oder 3. Linie überzeugt sahen und dort kräftig orderten.?
Zurück
© C&D Weinhandelsgesellschaft mbH