Subskription 2011
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Donnerstag, 01.05.2009 - Parker in der 100-Punkte-Falle
Inzwischen ist in Weinforen wie talk-about-wine, in einschlägigen Communities und auch auf Twitter die Diskussion um die Glaubwürdigkeit des Parker Reports zum Jahrgang 2008 in Bordeaux voll entbrannt. Die kritischen Reaktionen sind teilweise so heftig, dass Parker sich genötigt sah im Blog von Mark Suire nochmals eine Rechtfertigung nachzuschieben: "I have no doubt about what I wrote. I don't risk 30 years of credibility unless I' m dead sure of what I'm doing" Eine solche Verteidigungsrede in eigener Sache hat es zuvor noch nie gegeben. Sie ist ein weiterer amüsanter Knoten im Legendenteppich dieses Jahrgangs.

Parker Apologeten haben mittlerweile errechnet, dass seine Durchschnittsnote für den Jahrgang 2008 nur ganz geringfügig niedriger ist wie die für den gefeierten Jahrhundert-Jahrgang 2005: 94,7/100 für 2008 vs. 95/100 für 2005. Da stelle sich dann doch ganz klar die Frage: müssen in Zukunft die Noten für 2008 nach unten oder die für 2005 nach oben korrigiert werden? Dies wäre an der Spitze nicht möglich; denn 100 Punkte sind nunmal 100 Punkte. Parker sitzt – wie ich es schon vor einigen Jahren geschrieben habe - durch seine möglicherweise viel zu grosszügige Punktevergabe jetzt endgültig in der selbstgestellten Punktefalle. Im Gegensatz zu anderen Weinkritikern braucht er natürlich stets Nachschub an 100-Punkte-Weinen um seinen Newsletter besser verkaufen zu können. Die 100 Punkte sind seine wichtigste unique selling proposition (USP).

Die oben aufgeworfene Frage stellt sich natürlich dann auch gegenüber dem Millenium Jahrgang 2000; denn Parker selbst hat gesagt, dass für ihn 2008 besser sei als 1999, 2001, 2002, 2003, 2004, 2006, und 2007 also auf einer ähnlichen Stufe zu positionieren sei wie 2000 und 2005 als einer der 3 besten Jahrgänge dieser Dekade. Wenn dies tatsächlich so sein sollte, was ist dann zum Beispiel mit einem Wein wie dem hervorragenden, aber keineswegs exzeptionelle Ausone 2008. Wenn Parker seine 96 bis 100 ernst meint, müsste er wohl den legendären 2000er auf 105 Punkte anheben und das geht natürlich nicht. Nehme ich den 2000er für mich als Messlatte für 100 Punkte, und dies sehen fast alle wichtigen Kritiker so, dann ist der 2008er für mich max. 95/100 aber eher knapp darunter. Damit ist das immer noch einer der besten Weine der Welt und er hat eine Bewertung, von der 99,9 Prozent aller Erzeuger weltweit nur träumen dürfen, aber er ist eben kein Jahrhundertwein. Nach meiner Meinung sind hier in den zurückliegenden Jahren die Massstäbe verloren gegangen. Jeder versucht jeden zu übertreffen und schiesst dabei gelegentlich übers Ziel. Weine bewerten ist im Grunde genommen keine sportliche Disziplin, wird aber in Folge der 100-Punkte-Manie von nicht wenigen inzwischen so verstanden. Etwas mehr Vorsicht wäre sicher in der Vergangenheit ratsam gewesen und scheint mir bei 2008 besonders angebracht.
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