Subskription 2011
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Donnerstag, 20.04.2011 - Meine TOP 10 Favoriten 2010
Bevor ich in den kommenden Tagen meine kompletten Notizen bei degustation.de ins Netz stellen werde, habe ich mir Gedanken gemacht über meine absoluten Favoriten des Jahrgangs 2010. Bei vier Weinen möchte ich nicht über Punkte diskutieren und habe ihnen daher gegen meine sonstige Gewohnheit und Vorsicht schon en primeuren 100 Punkte gegeben. Warum? Ganz einfach. Weil meine Phantasie und meine bald 40jährige Verkostungserfahrung mir keine Idee geben können, was man an diesen Weinen besser machen könnte. Sie sind einfach perfekt das, was sie sein sollen und können, sprich die optimale Expression ihres Terroirs.



Der Grand vin von Château Ausone 2010 ist mit Abstand das Beste, was ich je in diesem jungen Stadium verkostet habe. Dieser Wein hat mich emotional berührt. Seine konzentrierte Kraft, seine Komplexität und seine schier unendliche Tiefe suchen Ihresgleichen. Das kann einem den Atem rauben und Tränen in die Augen treiben. Nur einmal hat mich ein Jungwein ähnlich fasziniert wie dieser, das war La Turque 1985 von Guigal an der Rhône. Meine drei anderen 100-Punkte-Kandidaten sind jeweils vergleichbar mit dem besten, was man aus dem 20. Jahrhundert von ihnen kennt: Latour erinnert an den „Langstreckenläufer“ von 1928, Pétrus schmeckte so betörend süss wie der „Luxuswein“ aus 1945 und der Lafleur zeigt schon jetzt ein Feuerwerk der Aromen das an die Komplexität des 1947er erinnert. Was will man mehr?

Dahinter habe ich mir sechs weitere Weine mit 98 zu 100 notiert: Cheval blanc, Cos, Haut-Brion, Lafite, Margaux und Palmer. Warum Cos und Palmer? Nun Palmer 2010 ist das beste, was dieses Weingut seit dem legendären 1961er hervorgebracht hat und ist diesem Wein, den ich noch im halberwachsenen Stadium in Mitte der 1970er Jahren erstmals verkostet habe, durchaus vergleichbar. Im Falle von Cos scheint mir der 2010er der vollendete Ausdruck des Terroirs zu sein das sich in der exotischen Fernweh-Architektur des Château spiegelt und mit Hölderlins Bordeaux-Verse in Erinnerung rief:
Nun aber sind zu Indiern
Die Männer gegangen,
Dort an der luftigen Spitz
An Traubenbergen, wo herab
Die Dordogne kommt,
Und zusammen mit der prächt' gen
Garonne meerbreit
Ausgehet der Strom. Es nehmet aber
Und gibt Gedächtnis die See,
Und die Lieb auch heftet fleißig die Augen,
Was bleibet aber, stiften die Dichter.

Vermutlich kann man auch diesen Wein mit seiner Finesse, der seidigen Robe über extraktreichem Körper nicht mehr besser machen.
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