Subskription 2011
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Donnerstag, 04.04.2006 - Finesse & Power
Mitternacht vorbei und ich sitze endlich in meinem Zimmer auf Château Pichon Longueville und kann diesen Kilometerfresser-Tag Revue passiere lassen. Über 400 Kilometer kreuz und quer durchs Bordelais von Lussac bis St. Estèphe, von St.Julien bis Barsac und wieder zurück nach Pauillac. U. a. stand heute die Verkostung der Süssweine auf dem Programm und ich kann die Begeisterung einiger Kollegen, die sich in den vergangenen beiden Tagen geradezu enthusiastisch geäussert haben, nicht ganz nachvollziehen. 2005 ist für die Rotweine praktisch aller Appellationen ein bedeutendes Jahr, aber für die edelsüssen Weine aus Barsac und Sauternes eher nein. Viele kommen ziemlich plump daher. Honigsüsse und Müslicharakter zusammen mit einer öligen Konsistenz machen allein noch keinen grossen Dessertwein. Die Frische der Frucht, die Säure, die Eleganz, die es dazu braucht, hatten nur sehr weinige der verkosteten Wein wie Yquem, Doisy-Védrines, Doisy-Daene, Rieussec, Suiduiraut und Nairac. Jenseits von 95 Punkten sehr ich aber keinen dieser Weine.

Was bleibt von heute wirklich nachhaltig in Erinnerung. Ganz sicher zwei Weine: Pichon Comtesse und Latour. Der eine betörend in seiner Finesse und der andere ein opulentes Powerpack von seltener Dimension.
2005 Château Latour

Völlig undurchsichtiges schwarzrubin mit einem Violett-Purpurrand. Nase konzentriert, aber sehr verschlossen, charakteristische dunkle Frucht von schwarzen Beeren und Kirschen. Rauchig und mineralisch überdeckt. Am Gaumen ein Wein, der für Latour etwas ganz und gar Erstaunliches verbindet: die gewohnte feste, schwarze Tanninstruktur, die eher abweist und beisst, und zugleich eine phänomenale Konzentration der Frucht im Hintergrund, die ungemein anziehend wirkt. Der Wein ist erstaunlich saftig und lebendig. Das ist wirklich ein ganz grosser Latour. Feinste Bitternoten, in denen nicht nur die Tannine sondern auch die Mineralität zum Tragen kommt, im sehr langen Abgang. 98 ? 100

2005 Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande

Dunkles, tiefes rubinviolett. Nase schlicht perfekt! Dunkle Beerenfrucht, Cassis, Kirsche in betörender Reinheit und Frische. Ganz leicht mit rauchigen Noten unterlegt. Ganz zarte balsamische Anklänge von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen Eleganz und Finesse pur, feinste Tannine, seidig an der Oberfläche aber leicht samtig in der Textur. Feine schokocremige Konsistenz mit klarer, rote Frucht. Langer Nachhall und Abgang. Das einzige, was dem Wein zur letzten Vollendung fehlt ist vielleicht ein wenig mehr Kraft und Wucht. Aber das kann sich durch den Ausbau im Barrique noch aufbauen, wenn die Süsse entsprechend eingekleidet wird. 97 ? 99
Dazu wäre noch zu sagen: auch der Zweitwein Les Forts de Latour ist von geradezu fabelhafter Qualität (92 ? 94) und bei der Comtesse gab es einen Château Bernadotte zu probieren, der das Zeug zum best buy hat (89 ? 90 +).
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