Subskription 2011
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Donnerstag, 02.04.2006 - Erster Überblick
Am Samstag habe ich versucht mir einen ersten Überblick zu verschaffen mit Weinen unterschiedlicher Appellationen von Médoc bis Pomerol bevor ich heute Nachmittag beim Cercle Rive droite beginne, mich intensiv den Weinen des rechten Ufers zu widmen. Fazit dieser kleinen Tour d´horizont mit einigen Dutzend Mustern: der Jahrgang ist in jeder Hinsicht aussergewöhnlich. Bei der Vergabe von Punkten sind die 95/100 bald erreicht und sogar deutlich überschritten. Zum einen gibt es praktisch keine gravierenden Qualitätsunterschiede zwischen dem rechtem und dem linken Ufer. Die drei Leitsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und franc sind genauso wie die ergänzenden Sorten Malbec und Petit Verdot von höchst möglicher Reife geprägt dabei ist die Frucht aber von einer erstaunlichen Frische ohne Anzeichen von Überreife. Die natürlichen Tannine und auch die Säure zeigen endlich einmal das, was man uns seit Jahren immer wieder versprochen hat: klassische Struktur. Jeder, den ich bis jetzt getroffen habe, bestätigt mir: so etwas gab es schon sehr lange nicht mehr. Francois Mitjaville, den ich am frühen Abend auf Château Le Tertre Roteboeuf besuche, meinte: ?Ein solches Material habe ich in den 30 Jahren meiner Arbeit noch nicht in der Hand gehabt.? Für ihn ist es eines der exzeptionellen Jahre des Jahrhunderts besser als 2000 und 1998, besser als 1990, wahrscheinlich auch besser als 1982. ?Es gibt einfach nichts womit man es vergleichen kann zumindest nicht aus unserer Lebenszeit.? Wir einigen uns schliesslich, dass 2005 vielleicht an die legendären Jahrgänge 1928/29 anknüpft obwohl wir beide die natürlich nie jung getrunken haben. Aber der bekannte, extrem lange Lebensatem dieser Weine, der Gleichklang zwischen rechts uns links drängt diesen Vergleich geradezu auf. Letztendlich aber, so meint er abschliessend, hat es vermutlich so einen Jahrgang bisher noch gar nicht gegeben; denn man muss bedenken dass auch wir Winzer dazu gelernt haben. Dazulernen werden auch die Degustatoren müssen; denn durch die hohe Reife und Dichte einerseits, durch das hohe Alkohol-Potenzial und vor allen durch den langen und kalten Winter entwickeln sich viele Weine sehr, sehr langsam. Manche haben nicht mal die alkoholische Gärung komplett abgeschlossen und viele sind noch in der Phase der Malo. Nicht wenige Weine, werden später auch auf der Flasche kleine verbliebene Restzuckergehalte zwischen 2 und 4 gL haben, da die Hefen offenbar in vielen Fällen es nicht schaffen werden oder geschafft haben den Wein voll durchgären zu lassen. Auch das hat es so lange nicht mehr gegeben. Die meisten Gesprächpartner schieben dies eindeutig auf den Klimawandel. Die Bedingungen der ersten Jahre des 21. Jahrhunderts seien tatsächlich mit der zweiten Hälfte der 1940er Jahre zu vergleichen.
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