Subskription 2011
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Donnerstag, 09.02.2008 - Eine Frage der Moral?
Noch sind die Jungweine des Jahrgangs 2007 in Bordeaux nicht verkostet, da ist im Vorfeld, der Primeurkampagne, die offiziell am 31. März beginnt, bereits heisse Diskussionen um die künftige Preisgestaltung entbrannt. In einem Interview mit der Revue du Vin de France forderte jetzt Alain-Dominique Perrin die Premiers in Bordeaux auf ein Preislevel von 100 Euro zurückzugehen. Preise von 500 Euro und mehr für einen Jahrgang wie 2007 bezeichnete er als „unmoralisch“. Schliesslich lägen die Gestehungskosten für eine Flasche lediglich bei ca. 12 Euro. Die Konsumenten zahlten aber bereits en primeur bis zum 80fache des eigentlichen Wertes. Damit lägen die Premiers weit über den Margen der Luxusindustrie. Dort lägen die höchsten Margen beim 17fachen des Wertes. Perrin muss es wissen; denn er war lange Zeit Chef von Richemont, einem der grössten Luxuskonzerne der Welt. Zu dessen Portfolio gehören Marken wie Cartier, Van Cleef & Arpels, Montblanc, Piaget oder Dunhill.

Seit den 1980er Jahren ist Perrin zudem als Besitzer des hoch angesehenen Château Lagrezette in Cahors selbst ein gefeierter Winzer, dessen Spitzenweine immerhin Preise von 80 bis 90 Euro erzielen. Château Lagrezette tauchte 2005 erstmals in der Liste der 100 Besten des Wine Spectators auf und es ist der einzige Cahors-Wein der regelmässig von Robert Parker mit hohen Bewertungen bedacht wird so zuletzt der Le Pigeonnier des Jahrgang 2001 mit 95 Punkte. Von dieser Warte aus gesehen sind Perrins Aussagen durchaus als bemerkenswertes, fachliches Statement zu werten. Etwas verwunderlich ist allerdings, dass in diesem Zusammenhang ausgerechnet ein hochkarätiger Insider der Luxusindustrie etwas einfordert, das es in der globalisierten freien Marktwirtschaft nicht gibt: Moral. Sicher wären die Premiers gut beraten, wenn sie mit dem Jahrgang 2007 ein Signal setzen und von den historischen Höchstständen, die sie mit dem Jahrhundertjahrgang 2005 durchgedrückt haben, deutlich abrücken würden. Aber das haben sie schon im vergangenen Jahr versäumt, und so wie das System Bordeaux nun mal funktioniert, werden sie sich darum auch dieses Jahr nicht kümmern, sondern verlangen, was der Markt bereit ist zu zahlen.

Eine interessante Hintergrunglektüre ist in diesem Zusammenhang übrigens ein Interview das Alain Dominique Perrin im Juni vergangenen Jahres dem Online-Magazin wineanorak von Jamie Goode in London geben hat: celebrity wines from Cahors.
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