Subskription 2011
Letzte Einträge - Bordeaux Subskription 2011
Donnerstag, 21.07.2009 - 5 Fragen an den Handel (4): Markus Geigle
Die Firma Alpina Bovensiepen in Buchloe gehört zu den wenigen deutschen Weinhändlern die ein eigenes Handelshaus in Bordeaux besitzen und somit die Möglichkeit haben direkt am Platz Bordeaux einkaufen zu können. Auch sonst ist in diesem Haus einiges anders als bei den meisten Mitbewerbern. Von Anfang an setzte Burkard Bovensiepen mit seiner Philosophie möglichst nur investmenttaugliche Weine zu handeln und diese auch gegebenenfalls über mehrere Jahre zu lagern, ehe sie ausgeliefert werden, einen ganz eigenen Akzent. Heute ist Alpina Exklusivimporteur berühmter Klassiker wie Sassicaia, Masseto, San Leonardo, Costanti aus Italien, Chateau Montelena aus Kalifornien oder der Domaine Paul Bruno aus Chile und arbeitet eng mit den großen Crus Classés des Bordelais einschließlich der Premiers Crus zusammen. Unter den Kunden befinden sich neben Privatleuten und Fachhändlern auch etwa 1000 Restaurants des gehobenen Gastronomie-Spektrums, Die Fragen beantwortete Geschäftsführer Markus Geigle.

Frage: Sind Sie mit dem Ergebnis der diesjährigen Kampagne zufrieden?

Geigle: Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise sind wir sehr zufrieden. Trotz der im Vergleich zu 2006 und 2007 gefallenen Preise konnten wir den Subskriptionsumsatz steigern, was zum einen auf das überraschend gute Preis-Qualitäts-Verhältnis vieler 2008er Bordeaux zurückzuführen ist und letztlich wohl auch auf die geradezu euphorischen Bewertungen durch Robert Parker. Und nachdem gerade unser zweites Subskriptions-Angebot beim Kunden angekommen ist, steht das Telefon nicht mehr still.

Frage: Können Sie den Verlauf der Kampagne kurz charakterisieren?

Geigle: Wegen der zum Teil schwierigen Witterungsbedingungen erfolgte schon früh ein Verriß durch halbinformierte und profilierungswütige Medien. Nachdem die Wirtschaftskrise dann auch noch mit voller Wucht zuschlug, begann eine der bis dato frühesten Kampagnen aus der Sicht des Kunden sehr hoffnungsvoll: Nämlich mit heftigen Preisabschlägen! Dann kam Parkers Lobeshymne und die Preissenkungen hatten sich erledigt. Umgekehrt hat er damit wohl eine erfolgreiche Subskriptionskampagne überhaupt erst möglich gemacht: Zwei Seiten derselben Medaille, die wir eben mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten müssen.

Frage:Was war für sie die grösste Überraschung/Enttäuschung?

Geigle: Die größte Überraschung waren für mich die extrem hohen Bewertungen durch Robert Parker. Natürlich gibt es, wie heutzutage fast schon in jedem Jahrgang, wieder einige wirklich große Weine und etliche sehr gute - aber daß ein Qualitätsniveau annähernd wie 2005 erreicht werden konnte, vermochte ich beim besten Willen nicht durchgängig festzustellen. Die Weine sind stilistisch anders, schlanker, klassischer, einfach mehr „Claret“, vielleicht am ehesten wie eine modern vinifizierte Version der 1988er (viele davon sind übrigens heute noch grandios und oft gnadenlos unterbewertet!) Ärgerlich und nicht ungefährlich ist für mich wieder einmal, daß Wohl und Wehe der ganzen Kampagne vor allem von Robert Parkers Urteil abhängt.

Frage: Was waren aus Ihrer Sicht die erfolgreichsten Weine?

Geigle: Interessanterweise ist unser erfolgreichster Wein kein Bordeaux, sondern Sassicaia 2006, obwohl er jahrgangsbedingt ca. 12 % teurer ist als der Vorgängerjahrgang. Dies ist in dieser schweren Krise zumindest bemerkenswert und zeigt, daß die Kunden sich in solchen Zeiten ganz traditionell auf bekannte Klassiker konzentrieren, bei denen man „weiß, was man hat“ und die nach wie vor ein gutes Preis-Qualitätsverhältnis bieten. Im Bereich Bordeaux trifft das besonders zu auf Clinet, Duhart-Milon, Figeac, Léoville-Barton, Léoville-Poyferré, Lynch-Bages, Montrose, Pape-Clément, Phélan-Ségur, Pichon-Lalande, Pontet-Canet und Vieux Château Certan.

Frage: Glauben Sie dass die Preiskorrektur weiter gehen wird oder dass die Preise angesichts einer erneut sehr kleinen Ernte 2009 sich stabilisieren oder gar wieder steigen werden?

Geigle: Ein Blick in die Kristallkugel! Niemand weiß, wie die Weltwirtschaft sich in den nächsten Monaten entwickeln wird, noch sind Erntemengen jetzt schon exakt abzuschätzen. Allerdings kann ich mir Preissteigerungen aus heutiger Sicht weniger vorstellen, als stabile Preise.
Zurück
© C&D Weinhandelsgesellschaft mbH