Subskription 2011
Letzte Einträge - Bordeaux Subskription 2011
Donnerstag, 15.07.2009 - 5 Fragen an den Handel (3): Michael Grimm
Mit seiner Firma Bacchus Vinothek zählt Michael Grimm zu den wenigen verbliebenen grossen Fachhändlern in Deutschland. Rund 3.000 Weine aus Frankreich, Italien und Spanien umfasst sein Portfolio. Der Jahresumsatz liegt bei sieben bis acht Millionen Euro. Gegründet wurde die Firma 1981 in Bacharach am Rhein und war damals spezialisiert auf den Handel mit alten Bordeaux und in einem geringeren Umfang auch schon im Primeurgeschäft tätig. 1995 übernahm Grimm, bis dahin Assistent in der Geschäftsleitung der Mövenpick Kellerei in Stuttgart, die Firma, verlegte sie nach Rottweil und erweiterte das Programm auf seine heutige Grösse. Er dehnte vor allem den Primeurgeschäft aus und zählt heute zu den wichtigsten deutschen Händlern in diesem Segment.

Frage: Sind Sie mit dem Ergebnis der diesjährigen Kampagne zufrieden?

Grimm: Wir haben diese Woche erst unsere Primeurofferte an unsere Kunden verschickt. Aber bereits im Vorfeld haben die Kunden geordert, wie seit der 2005er Kampagne nicht mehr. Bisher bin ich mit der Kampagne sehr zufrieden. Wir werden am Ende wohl zwischen 2006 und 2005 liegen. Dafür mitverantwortlich ist vor allem auch die Tatsache, dass viele "alte" Primeurkunden, welche wegen der hohen Preise seit 2004 nicht mehr orderten, wieder Interesse zeigten und en primeur wieder eingestiegen sind. Zum Erfolg beigetragen hat in jedem Fall auch die Tatsache, dass es nun eigentlich nur noch wenige Händler sind, welche umfassend en primeur anbieten. Vielen Händlern war der Aufwand mit dem Primeurgeschäft zu groß und sind ausgestiegen.

Frage: Können Sie den Verlauf der Kampagne kurz charakterisieren?

Grimm: Das Auffälligste war wohl, dass es dieses Jahr ausgerechnet die 1er Crus waren, welche (nach Angélus) zuerst ihre Preise bekannt gaben. Waren diese in früheren Jahren noch die Schlusslichter, so waren deren Preises dieses Jahr schon eine Woche nach der Primeurverkostungswoche (1. Aprilwoche) bekannt. Mit dem enormen Preisabschlag auf die vorherigen Jahre setzten die 1er Crus ein deutliches Zeichen. Entsprechend groß war von Anfang an das Interesse. Endlich konnte ein 1er Cru wieder einmal unter EUR 200,-- eingekauft werden. Die Nachfrage nach bestimmten Weinen explodierte allerdings, als Parker seine Bewertungen veröffentlichte. Allerdings waren es vor allem die Klassiker mit hoher Bewertung, welche nun noch stärker gefragt waren. Auch extrem hoch bewertete "neue" Weine wie bspw. Le Dôme profitierten wenig vom Punkteregen.

Frage: Was war für sie die grösste Überraschung/Enttäuschung?

Grimm: Die größte Überraschung war sicher der Ausgabepreis der 1er Crus und bei der Verkostung das teilweise erstaunliche Qualitätsniveau bei einem Jahrgang, welchen man Ende August 2008 eigentlich schon abschreiben wollte. Die Enttäuschung liegt eigentlich nur auf der Händler/Anbieterseite. Einige Händler versuchen hier, sich gegenseitig im Preis zu unterbieten. Die Margen sind im Primeurgeschäft ohnehin sehr knapp. Sich hier noch das Leben schwer zu machen, halte ich für unsinnig. Meine Erfahrung ist, dass die treuen Primeurkunden nicht auf 1-2% Preisersparnis achten, sondern vielmehr auf die Ausgewogenheit des Angebots und die Qualität der Beratung. Hier bin ich vielleicht etwas altmodisch aber bei uns ist die Kalkulation klassisch und transparent. Auch sehr gesuchte Weine oder Neuentdeckungen sind mit derselben Marge von 13-15% kalkuliert.

Frage: Was waren aus Ihrer Sicht die erfolgreichsten Weine?

Grimm: Calon Segur, Tour de Pez !!!, Phelan Segur, Lafite, Mouton, Pontet Canet, Batailley !!!, Duhart Milon, Haut Madrac – Topempfehlung - ,Eyrins, Margaux – Topempfehlung -, Leoville Barton - leider aus, Langoa Barton !!, Malescot, Haut Bailly, Pavie Macquin, Trotanoy - leider aus, Guillot Clauzel - und somit beinahe ausschließlich Klassiker.

Frage: Glauben Sie dass die Preiskorrektur weiter gehen wird oder dass die Preise angesichts einer erneut sehr kleinen Ernte 2009 sich stabilisieren oder gar wieder steigen werden?

Grimm: Viele Châteaux haben sich sehr gut verkauft. Preise für die begehrtesten Weine steigen bereits extrem an. Bei kleiner Ernte und sehr guter Qualität werden die preise nicht weiter sinken. Vieles hängt auch von der weltwirschaftlichen Situation im Frühjahr des kommenden Jahres ab. Wenn sich die Märkte erholen und sich bspw. der Wechselkurz des Dollar und des Pfunds erholen, war 2008 vielleicht für längere Zeit der günstigste Jahrgang, welchen man en primeur kaufen konnte und teilweise natürlich noch kann.
Zurück
© C&D Weinhandelsgesellschaft mbH