Subskription 2011
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Donnerstag, 13.07.2009 - 5 Fragen an den Handel (1): Heiner Lobenberg
In diesen Tagen gehen die letzten umfassenden Primeur-Offerten der Händler an die Privatkunden. Ich habe dies zum Anlass genommen um zum Abschluss der diesjährigen Primeur Kampagne für den Jahrgang 2008 einigen Händlern fünf Fragen zu stellen zum Verlauf der Kampagne und zu generellen ihrer Markteinschätzung.

Als erster antwortete Heiner Lobenberg aus Bremen. Mit seiner Firma Gute Weine ist er seit 1993 im Primeur-Geschäft und heute einer der grössten Anbieter in diesem Marktsegment in Deutschland.

Frage: Sind Sie mit dem Ergebnis der diesjährigen Kampagne zufrieden?

Lobenberg: Ja und nein. Die Absatzmengen sind ok, entsprechen im Niveau etwa dem 2006er Jahrgang. Aber die Margen sind schlecht, da viele Anbieter trotz kaum vorhandener Allokationen (2007 nicht gekauft) schlimme Preise gemacht haben. Scheinbar nach dem Motto: wenn ich schon nichts verdiene dann sollen die anderen auch nicht verdienen.

Frage: Können Sie den Verlauf der Kampagne kurz charakterisieren?

Lobenberg: Sehr früher Start, große Unsicherheiten im Krisen-Markt über Qualitäten (einige Verkoster konnten mit diesem außergewöhnlichem Jahrgang nichts anfangen und haben ihn deshalb verrissen - auch ist der Verriss
leider eine gern genommene Aufmerksamkeitsvariante der in der Regel nicht sehr talentiert verkostenden Journalisten) und über Preise. Und es wurde in der deutschen Presse zu wenig über den Jahrgang
kommuniziert, der Markt wurde so nie wirklich heiß. In diesen zu ruhigen Markt musste der Anbieter also alles selbst anschieben und kommunizieren. Und da viele Anbieter wegen kleiner Käufe in 2007 kaum
Allokationen der interessanten Weine hatten mussten ganz wenige Anbieter allein den Markt in Bewegung bringen. Die reinen Internetanbieter machen zwar mit ihren Mini-Mengen die Preise kaputt aber sie bewegen den Markt nicht. Die Stabilisierung trat erst mit dem Erscheinen von Parker Wine Adcovate und mit den postalischen Angeboten der wenigen wirklich wichtigen Anbieter mit guten Allokationen ein.

Frage: Was war für sie die grösste Überraschung/Enttäuschung? Überraschung:

Lobenberg: Die immensen Qualitäten der biodynamischen und biologisch organisch arbeitenden Weingüter und auch dann das tolle Kauverhalten der Kunden in diese Richtung. Dieser Trend wird weiter immer stärker, nicht nur in Bordeaux sondern auch in Spanien und Deutschland mit z.B. Wittmann,
Christmann, Heymann Löwenstein etc.. Enttäuschung: Dass die Kunden letztlich trotz der endlich wieder sehr interessanten und tiefen Preise bei guter Qualität gegen ihre eigenen Interessen letztlich doch noch zu wenig gekauft haben. Ich hätte trotz der Krise noch mehr weitsichtige und krisenresistente Qualitäts-Käufer im mittleren Preissegment von 35 bis 70 Euro erwartet. Und ich hätte mehr 1er Cru Käufer erwartet, aber das ist dann wohl eindeutig die Krise. Sicher scheint mir, dass 2008 im Gegensatz zu den vorherigen Jahren sehr rasch und auf allen Preisebenen viel teurer werden wird und so dem Käufer im Nachhinein eine mehr als deutlich Einsparung über den Subskriptionskauf signalisieren wird. Das ist sehr gut für den Käufer und so ist es auch gut für Bordeaux. Wenn die Châteaux das nur immer und in allen Jahren begreifen würden...!

Frage: Was waren aus Ihrer Sicht die erfolgreichsten Weine?

Lobenberg: Der neue biodynamische Wein "Vieux Pourret" Saint Emilion des Rhonewinzers Michel Tardieu, die biodynamischen Weine des besten Önologen Saint Emilions Stephane Derenoncourt: Trois Origines aus Saint Emilion und Domaine de L'A und La Croix Lartigue beide aus Castillon. Dann noch die Margauxweine der Mini-Châteaux von Luc Thienpont: Clos des Quatre Vents + La Villa des Quatre Soeurs + Tayac Plaisance - Dann noch in St. Estephe: Cos d'Estournel + Calon Segur -in Pauillac: Pontet Canet und Pichon Comtesse - in St. Julien: Langoa Barton + Leoville Barton in Margaux wie oben genannt die Weine von Luc Thienpont + Malescot St. Exupery - in Haut Medoc: Charmail - in Moulis: Chasse Spleen – in Pessac: Pontac Monplaisier - in Fronsac: Fontenil - in Pomerol: Guillot Clauzel, Gazin, Le Gay, Clinet, La Croix St. Georges, Latour a Pomerol, La Fleur Petrus und besonders Eglise Clinet - in Saint Emilion: Alle oben genannten Biodynamiker und Beausejour Duffau + Larcis Ducasse + Figeac + Pavie Macquin + Cadet Piola - in Castillon: die o.g. Weine von Derenoncourt + Clos Puy Arnaud (auch biodynmisch) + d'Aiguilhe

Frage: Glauben Sie dass die Preiskorrektur weiter gehen wird oder dass die Preise angesichts einer erneut sehr kleinen Ernte 2009 sich
stabilisieren oder gar wieder steigen werden?

Lobenberg: Woher haben Sie die Angabe einer kleinen Menge in 2009? Das ist nicht so, Hagel etc. waren regional begrenzt und die Schäden sind geringer als zunächst erwartet. Es wird 2009 nach jetzigem Stand recht viel Wein geben. Das ist gut, denn bei hoffentlich guter Qualität sorgt die gute Menge dafür, dass die Preise wegen des Mengendrucks vielleicht noch ein Jahr in etwa auf diesem tiefen Niveau verharren. Die klassifizierten Château werden die Preise sicher nicht weiter senken, 2008 war sicher die Talsohle (deshalb sollte man m.E. vom 2008er mehr kaufen), aber noch ein Jahr in etwa auf diesem Niveau wäre schon gut um noch mehr Kunden wieder an Bordeaux heran zu führen.
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